Mit der Transsibirischen Eisenbahn ins winterliche Sibirien

Im Winter nach Sibirien mit der transsibirischen Eisenbahn

Im Winter nach Sibirien? Im Zug? Klingt erstmal wenig reizvoll. Aber Sibirien offenbart seine frostige Schönheit im Winter. Und die Transsibirische Eisenbahn führt dich direkt in die glitzernde Winterlandschaft und durch verschneite Birkenwälder. Das Sonnenlicht bricht in den Eisskulpturen in Irkutsk und bringt das meterdicke Packeis des Baikalsees zum Leuchten.

QUICK FACTS TRANSSIBIRISCHE EISENBAHN

Länge:9288 km, längste Eisenbahnstrecke der Welt
Strecke:Moskau nach Wladiwostok, bei Kilometer 1.777 markiert ein Obelisk die Grenze zwischen Europa und Asien
Fahrtzeit:Zug Nr. 1/2 Rossija: 144 Stunden
Zug Nr. 99/100: rund 160 Stunden
Geschwindigkeit:Personenzüge ca. 60 – 70 km/h
Klassen:– Viererabteile
– offene Liegewagen-Großraumabteile (52 Liegen)
– wenige Schlafwagen mit Zweibettabteilen
Zeitzonen:
8 Zeitzonen, im Zug und auf Fahrplänen wird Moskauer Zeit angezeigt

Der Schienenstoß gibt den Takt für die Reise quer durch das tiefgefrorene Sibirien vor. Tackatack-tackatack… Tagelang begleitet dich das Klacken der Räder auf den Stahlbändern der Transsibirischen Eisenbahn die Reise durch die Winterlandschaft. Birken ziehen am Fenster vorbei. Kahle, schneebedeckte Felder. Und wieder Birken. Rund 7.000 Kilometer ist die Strecke von Österreich bis zum Baikalsee im Herzen Sibiriens lang. Die Reise führt durch Städte wie Moskau, Jekaterinburg, Nowosibirsk und Krasnojarsk.

Im Abteil des Zugs Nummer 2 mit dem klingenden Namen „Rossija“ habe ich meinen Abteilgenossen bereits kennen gelernt. Isa steht mit zwei Teegläsern in Zinnhaltern in der Türe. Der Tschetschene und ich teilen uns für die nächsten 72 Stunden das Abteil, das Essen und die Teevorräte. „Moskau – Wladiwostok“ ist auf den Gläserhaltern in kyrillischer Schrift zu lesen, das Bild des Jaroslawer Bahnhofs als Startpunkt der Transsibirischen Eisenbahn ist darüber eingeprägt. Das heiße Wasser für den Chai kommt aus dem Samowar am Gang, der Zucker aus kleinen Säckchen mit Werbung der Russischen Eisenbahn darauf.

Die 9.288 Kilometer lange Bahnreise von Moskau bis Wladiwostok führt durch acht Zeitzonen. Die Fahrpläne und Uhren zeigen im Zug und auf allen Bahnhöfen in Russland einheitlich Moskauer Zeit.

Kurz nach Mitternacht überquert der „Rossija Express“ bei Kilometer 1.777 die Grenze zwischen Europa und Asien. Ein weißer Obelisk markiert die Stelle im Ural-Gebirge und blitzt nur kurz am Fenster der rechten Wagenseite auf.

Am nächsten Morgen erreicht der Zug den Westen Sibiriens. Das Land ist tief verschneit und die Birkenstämme strahlen mit dem Schnee um die Wette. Stahlblau und kalt hebt sich der Himmel von der kargen Landschaft ab. Draußen tanzen Schneeflocken und verwandeln die Landschaft in ein Wintermärchen.

Am Bahnhofsgebäude in Taiga, 3.571 Kilometer von Moskau entfernt, zeigt das Thermometer -28 °C. Die Quecksilbersäule ist auf der Fahrt Richtung Osten ständig gesunken und am unteren Ende des Thermometers angekommen.

Auch der Fensterrahmen im Abteil ist eingefroren und das Eis ist zu einem sichtbaren Klumpen angewachsen. Isa scherzt „das mögen die russischen Bären“ während er die gefrorenen Kristalle vom Fenster kratzt. Die tiefgefrorene Fenstereinfassung hat aber auch einen großen Vorteil: Das Bier und die Lebensmittel am Tisch bleiben gut gekühlt. Der Nachteil: Bettpolster und Vorhänge frieren ständig am Rahmen fest.

PRO TIPP:

Du reist mit leichtem Gepäck, willst aber in der Transsibirischen Eisenbahn  am liebsten dein eigenes Bett dabei haben? POLLUX, unser ultraleichter Reiseschlafsack, dient als Hygieneschutz und ist perfekt für eine Temperatur von 15 – 25 Grad. Er wiegt nur 700 gr und dank des Kompressionsbeutels nimmt er nur wenig Platz weg.

Zwischen dem überheizten Zugabteil und dem frostigen Bahnsteig herrschen fast 50 Grad Temperaturunterschied. Im Zug sitzen die Fahrgäste in Jogginganzug und kurzem T-Shirt, am Bahnsteig sind die Menschen in Kapuzenjacke und dicken Stiefeln warm eingepackt. Am Bahnsteig in Ilianskaja, 4.383 Kilometer von Moskau entfernt, preist eine Babuschka ihre selbstgemachten Wareniki, Pelmeni und gegrillten Hühnerschenkel an. „Charascho“, lobt die alte Frau ihre Ware, „gut“! Eine junge Verkäuferin hat auf ihrem Schlitten Getränke gestapelt. Beim Zurückgeben des Wechselgelds blitzen ihre Schneidezähne in der Sonne – sie sind aus Gold.

Es sind noch wenige Kilometer Fahrt durch die Nacht bis Irkutsk und an den legendären Baikalsee. Der tiefste Süßwassersee der Welt ist im Winter mit einer dicken Eisschicht überzogen. Autos und sogar Lastwägen fahren über das Eis zur Insel Olchon. Energisch klopft es an der Abteiltüre. „Irkutsk Passajirskij“ raunt die mit Mantel und hohen, schwarzen Lederstiefeln akkurat gekleidete Prowodniza und gibt mir die Fahrkarte zurück. Mit einem kräftigen Ruck öffnet die Schaffnerin die vereiste Tür und fegt den Schnee von den Stufen. Ein stechend kalter Schwall Morgenluft weht mir ins Gesicht. Willkommen in Sibirien!

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HIER SCHREIBT: Gerhard Liebenberger

Reisen ist Teil meines Berufs. Ich reise mehrere Monate im Jahr durch Europa und in ferne Länder. Über meine Reiseeindrücke berichte ich in Blogs, Reportagen und Printmedien. Für das NORDKAMM Magazin berichte ich über spezielle Abenteuerreisen, die mich besonders beeindruckt haben. Dazu gehört auch meine Reise mit der Transsibirischen Eisenbahn durch das winterliche Sibirien.

Gerhard Liebenberger Schnorcheln Galapagos