GORE-TEX Transalpine-Run 2018

Du bist ein Grenzgänger? Ein Marathon ist dir nicht genug? Du hast einen guten Laufpartner und Bock auf ein richtig tolles und richtig hartes Abenteuer?

Wie wärs mit einem Etappenrennen von Garmisch Partenkirchen bis Brixen in nur 7 Tagen quer über die Alpen? Ob du das kannst? Versuch es! Wonny und Markus haben es gewagt. Sie haben sich ihren Traum vom TAR erfüllt und haben die Alpen zu Fuß überquert.

Lies weiter und hol dir Inspiration! Das Jahresende naht und es ist Zeit für ein neues, großes Ziel!

QUICK FACTS TAR

Etappe 1: GAP – NassereithDistanz: 43,7 km
Aufstieg: 2.378 Höhenmeter
Abstieg: 2.239 Höhenmeter
Etappe 2: Nassereith – ImstDistanz: 28,1 km
Aufstieg:1.330 Höhenmeter
Abstieg: 1.330 Höhenmeter
Etappe 3: Imst – MandarfenDistanz: 51 km
Aufstieg: 3.200 Höhenmeter
Abstieg: 2.276 Höhenmeter
Etappe 4: Mandarfen – SöldenDistanz: 28,1 km
Aufstieg: 2.296 Höhenmeter
Abstieg: 2.622 Höhenmeter
Etappe 5: Sölden – St. Leonhard in PasseierDistanz: 39,6 km
Aufstieg: 2.286 Höhenmeter
Abstieg: 2.956 Höhenmeter
Etappe 6: St. Leonhard in Passeier – SarntheinDistanz: 34,2 km
Aufstieg: 2.524 Höhenmeter
Abstieg: 2.223 Höhenmeter
Etappe 7: Sarnthein – BrixenDistanz: 36 km
Aufstieg: 2.118 Höhenmeter
Abstieg: 2.532 Höhenmeter

Drei Länder, zwei Läufer*innen, eine Woche, der Traum!– diesen Slogan kennt in der Trailrunningszene wahrscheinlich jede*r. Vor zwei Jahren habe ich das erste Mal vom Transalpine-Run gehört. Seither schwirrte mir der Gedanke eines Tages daran teilzunehmen wie ein Floh im Ohr herum. Und jetzt, knapp 3 Monate nach dem TAR kann ich langsam begreifen wohin mich meine beiden Beine getragen haben.

Eine Woche lang tun, was ich am liebsten tue: Laufen! Im Gelände, am Berg, hochalpin, sausteil bergauf und auf richtig coolen Trails wieder downhill. Mit meinem Laufpartner Markus und rund 600 anderen verrückten Teilnehmer*innen ging es von Garmisch-Partenkirchen quer über die Alpen nach Brixen. 260 km mit 16.500 Höhenmetern in 7 Etappen.

endlich im Ziel!

Ein Traum wurde wahr!

Hinter uns liegt eine Woche aus der Tasche leben, eine Woche Weißbrot zum Frühstück und Nudeln zum Abendessen, damit der Magen auch wirklich nicht beleidigt wird und bis nach Brixen durchhält. Sieben Tage lang waren wir nicht wirklich erreichbar, wir genossen die Auszeit vom stressigen Alltag und bemerkten auf der Strecke immer wieder schmunzelnd wie absurd unser Projekt wohl für Außenstehende sein mag. Eine Woche nur laufen, dehnen, die müden Beine mit der Blackroll quälen, essen, sich auf die nächste Etappe einstellen, schlafen. Mehr nicht. Zwischendurch noch ein paar nette Unterhaltungen mit anderen Läufer*innen.

7 Tage in folge waren wir erstaunt, was der menschliche Körper aushalten und leisten kann, mit jeder Etappe wurden die Beine ein bisschen schwerer und der Respekt des kommenden Abschnitts ein bisschen größer. Wir zweifelten nicht daran, das große Ziel zu erreichen, wir wussten wir haben uns gut vorbereitet und doch, ganz tief drinnen, hatte ich Angst zu scheitern. Umso glücklicher war ich, als meine Beine trotz Anstrengung mit jeder Etappe ein bisschen stärker und mutiger wurden und mich schließlich nach Brixen trugen.

der TAR von oben

Etappe 1: GAP – Nassereith

↔43,7 km, 2.378  Höhenmeter ↑  , 2.239 Höhenmeter 

Markus und ich zwangen uns wirklich gemütlich zu laufen, bewusst nahmen wir das Tempo raus. Vor allem in den Abwärtspassagen, um Kraft für die nächsten Tage zu sparen. Eine große Herausforderung, denn einerseits fühlten wir uns so fit und ausgeruht und andererseits liefen haufenweise andere Teilnehmer*innen an uns vorbei. Sich nicht mitziehen zu lassen, fiel uns schwer, die Trails waren so verlockend und hätten ein höheres Tempo leicht aushalten können. Wir blieben streng mit uns und genossen dennoch die Strecke von Garmisch nach Nassereith. Und obwohl die Sicht sehr eingeschränkt war, wussten wir, dass das Gebiet in dem wir uns befanden traumhaft schön war.

Etappe 2: Nassereith – Imst

↔28,1  km, 1.330  Höhenmeter ↑  , 1.330 Höhenmeter 

Auf der kürzesten Etappe vom TAR konnten wir einige Plätze gut machen, wir genossen die Sonne in unseren Gesichtern und liefen im Gegensatz zum ersten Tag ein ordentliches Tempo. Im Ziel angekommen freuten wir uns über Besuch von Freunden und Familie.

Etappe 3: Imst – Mandarfen

↔ 51 km, 3.200 Höhenmeter ↑ , 2.276 Höhenmeter ↓ 

Die Königsetappe des Transalpine-Runs von Imst nach Mandarfen war ganz nach unserem Geschmack. Um einiges mehr Höhenmeter bergauf als bergab. Unsere Stärke! Um 6:30 Uhr gings los. Wir starteten gemütlich und konnten in den Aufwärtspassagen einige Läufer überholen. Fröhlich plaudernd und bei bester Laune marschierten wir an vielen schweigenden und schnaufenden Teilnehmer*innen vorbei. Ich konnte mich nicht sattsehen an den Trails, dem traumhaften Panorama, den Bergen. Atemberaubend, schön, einzigartig. Ein perfekter Tag in der Natur.

Ganz ohne Hoppalas vergeht ein Wettkampf natürlich nicht. Wir haben die Entfernung der Labstationen ein wenig unterschätzt und mussten über eine Stunde ohne einen Schluck zu trinken auskommen. Zum Glück wars nicht heiß und so kamen wir zwar durstig aber noch sehr lebendig bei der Labstation an. Die letzten 10 Kilometer der Königsetappe zogen sich ein wenig, da sie fast flach am Fluss entlang bis nach Mandarfen verliefen. Keine Strecke für Trailliebhaber*innen, aber das gehört wohl dazu.

PRO TIPP:

Bei Etappenrennen musst du deine Sachen ständig aus- und wieder einpacken. Damit du trotzdem Ordnung bewahrst, helfen unsere Gepäck-Organizer. Mit dem praktischen Kompressions-Reißverschluss helfen sie dir außerdem beim Platz sparen.

    Etappe 4: Mandarfen – Sölden

    ↔28,1 km, 2.296  Höhenmeter ↑  , 2.622 Höhenmeter ↓

    Mit etwas müden Beinen gingen wir an den Start. Gleich zu Beginn mussten wir 800 Höhenmeter zurücklegen. Am Rifflsee angekommen kam ich aus dem Staunen nicht mehr heraus. Die Aussicht war ein Traum! Nach ein paar Hundert Höhenmetern bergab ging es recht flach ansteigend zur ersten Verpflegungsstation. Von dort ging es nun laaaange und steil bergauf auf fast 3.000 m. Der Weg zum Pitztaler Jöchl wart hart und ich hatte ordentlich zu kämpfen.

    Nach einem kurzen Wutanfall gings mir besser und mit ordentlich Zähne zusammen beißen kamen wir endlich oben an und durften über ein Schneefeld den Gletscher queren. Eins meiner Highlights. Schwups schon war der harte und zähe Aufstieg vergessen. Ein bisschen Qual, ein bisschen Frust und ein bisschen Schmerz muss sein im Leben eines Trailläufers. Nach einigen bissigen Anstiegen mehr gings zum Downhill. Eine Bike-Strecke auf der man die Beine einfach rollen lassen konnte und ehe wirs uns versahen, erreichten wir schon Sölden.

    Etappe 5: Sölden – St. Leonhard in Passeier

    ↔39,6 km, 2.286  Höhenmeter ↑  , 2.956 Höhenmeter ↓

    Nach unserem kleinen Tief in der vierten Etappe hatten wir ordentlich Respekt vor der Etappe mit den meisten Höhenmetern bergab. Markus hatte die letzten Tage vor allem bei den Downhills Probleme mit seinem Schienbein. Wir nahmen uns vor ganz gemütlich an die Sache ranzugehen. Als wir dem Timmelsjoch näherkamen, staunten wir, dass sich der heutige Anstieg so leicht anfühlte und freuten uns, dass wir schon in Südtirol angekommen waren.

    Vom Joch flogen wir geradezu ins Tal. Wir hatten jede Menge Spaß auf dem technisch nicht sehr anspruchsvollem Downhill und auch das Schienbein von Markus machte wenig Probleme. Nach einem letzten etwas längerem Aufstieg trugen uns unsere Beine bergab nach St. Leonhard. Wir waren dem großen Ziel schon so nahe, dass wir es quasi riechen konnten. Hallo Italien! Das Land stimmt schon mal und es waren nur noch knappe 70 km bis Brixen.

    bald im Ziel

    Etappe 6: St. Leonhard in Passeier – Sarnthein

    ↔ 34,2 km, 2.524 Höhenmeter ↑  , 2.223 Höhenmeter ↓

    Ein bisschen mulmig war mir zumute, als wir uns kurz vor dem Start ins unseren Block stellten. Über 2.300 Höhenmeter in einem Aufstieg, der letzte Teil davon sehr technisch und mit schlechter Wettervorhersage. Ich versuchte dennoch mich auf den Teil vom TAR zu freuen und schon nach wenigen Minuten hatte ich einfach nur Spaß. Mein Magen machte zwar was er wollte und er wollte definitiv nicht laufen, aber meine Beine stapften fleißig bergauf.

    Nach der zweiten Labstation ging es richtig steil bergauf, hochalpin, und meine Angst war unbegründet. Es war einfach nur schön! Der Wind blies uns um die Ohren, auf den Armen hatten wir Gänsehaut und nicht nur, weil uns kalt war. Die Gegend, die Leute, der ganze Lauf – einmalig! Wir konnten die Etappe genießen, auch die technischen Downhills klappten mit ein paar Ausrutschern im Schlamm. Aber wen störts – ein bisschen Schmutz darf schon sein! In Sarnthein angekommen, wussten wir, dass wir unserem Ziel so nahe sind, dass sich aufgeben nicht mehr lohnen würde. Zum letzten Mal legten wir die Beine hoch und schlummerten bald ein. Nur noch wenige Kilometer bis Brixen!!

    Etappe 7: Sarnthein – Brixen

    ↔ 36 km, 2.118  Höhenmeter ↑  , 2.532 Höhenmeter ↓

    Unglaublich wie schnell eine Woche vergeht. Plötzlich standen wir schon im Startblock der letzten Etappe. Etwas müde und voller Vorfreude aufs Ziel warteten wir auf den Startschuss. Ganz gemütlich wollten wir die letzte Etappe angehen, die Trails und die Aussicht genießen und heil im Ziel ankommen. Das Wetter war traumhaft, die Sonne strahlte und war angenehm warm. Der Aufstieg war lang, aber recht flach, das liegt uns. An Bächen entlang erreichten wir bald den höchsten Punkt des Tages.

    Von dort waren es nur noch 10 km bis Brixen. Allerdings mussten wir dafür noch 2.000 Höhenmeter abwärts laufen. Davor fürchteten wir uns ein bisschen, aber wir kamen sehr rasch voran und konnten bis zum Schluss ein gutes Tempo laufen. Nach weniger als 6 Stunden fielen wir uns im Ziel in die Arme. Wir haben es geschafft! Wir haben gemeinsam die Alpen überquert, unbeschadet, überglücklich und das alles in einer Woche. Ein wunderbares Gefühl. Das Bier im Ziel haben wir uns verdient. Überall um uns herum waren strahlende Gesichter. Ein schönes Abenteuer geht zu Ende.

    Der Transalpine-Run war pures Glück, Endorphine ohne Ende, ein bisschen Zähne zusammenbeißen, kämpfen und staunen, lachen und weinen, sich stark fühlen und schwach. Emotionen in alle Richtungen also und immer mit der Gewissheit: ich würds wieder tun, ganz ohne Zweifel!

    Hast du Lust bekommen? Schau doch mal vorbei: https://transalpine-run.com

    HIER SCHREIBT: Wonny Keil

    Trailrunning ist meine größte Leidenschaft. Ich liebe die Berge, das Gelände, steile Anstiege und schöne Trails im Abstieg. Beim Laufen kann ich meine Seele baumeln lassen und meinem Körper Gutes tun. Im Laufe der Jahre habe ich mir immer größere Ziele gesteckt und erreicht. Und ich habe gelernt: Der menschliche Körper kann so viel mehr leisten, als wir es uns vorstellen können!