Hi, ich bin Andre, Teilnehmer der Tajik Rallye 2018. Vom Rallyefahren habe ich keine Ahnung. Doch genau dies waren die Anforderungen. Man schnappt sich ein altes Auto, sowie ein paar Kollegen, die verrückt genug sind, in 27 Tagen rund 11.000 km durch 11 Länder zu fahren. Begleitfahrzeuge gibt es nicht, sondern nur die Hoffnung, dass dir vor Ort immer jemand hilft, wenn es Probleme gibt. Und wir hatten Probleme 😊.

Wofür man das macht? Für das größte Abenteuer deines Lebens … und für einen guten Zweck. Jedes Team sammelt Spendengelder für die Caritas. Bei der Rallye 2018 wurden knapp 30.000 EUR eingesammelt. Zudem wurden die Rallye Autos am Ende der Caritas übergeben und versteigert.

QUICK FACTS TAJIK RALLEY

Länge:10.800 km
Länder:11
Dauer:27 Tage
Start:München, Deutschland
Ziel:Duschanbe, Tadschikistan
Sieger:Alle, die mit dem Auto im Ziel ankommen
Route:Kann selbst gewählt werden.

Vom Start in München ging es zusammen mit 18 anderen Teams über Österreich, Ungarn nach Rumänien, wo wir eine „Checkpoint“ Party in den Wäldern der Karpaten feierten. Danach fuhren wir durch die Karpaten Richtung Süden. Wir haben unsere Route spontan geändert, nachdem uns andere Teams mitteilten, dass die Südroute über die Türkei durch den Kaukasus schöner sei. Die Route wählt jedes Team selber und ist nicht festgelegt.

Über Bulgarien fuhren wir weiter an den Bosporus, wo wir kurz vor Istanbul die günstige Lira ausnutzten, um in günstigen Hotels zu nächtigen. In 2 Tagen fuhren wir einmal durch die gesamte Türkei und an der Schwarzmeerküste entlang. Wunderschön und angenehm warm. Anschließend ging es weiter nach Georgien, wo wir die Warnungen vom Veranstalter ernst nahmen und bestimmte Gebiete mieden, um auf sicheren Routen zu bleiben. Der Kaukasus mit Blick auf den Kasbek (5047 Meter hoch) war einmalig. Ab Wladikawkas in Russland war uns dann das erste Mal schon etwas mulmig. Die Grenzen streng, die Kontrollen langwierig. Hier spricht dann schon keiner mehr Deutsch und nur Ausgewählte Englisch. Gleichzeitig ändern sich die Straßenverhältnisse. Ab nun mussten wir auf alles gefasst sein. Riesige Löcher in den Straßen – und das ohne jegliche Ankündigung. Auch hier wählen wir die sicheren Routen um Tschetschenien herum. Wir wollen kein Risiko eingehen.

Hier wurden wir dann aber auch das erste Mal Opfer einer Polizeikontrolle. Der Polizist dachte sich etwas aus, um uns etwas Geld aus der Tasche zu ziehen. „Diese Straße ist für Ausländer nicht befahrbar“ hat er gemeint. Nach langen Diskussionen und Androhung, dass ich die Botschaft kontaktieren würde, ließen sie uns unter Schikane fahren. Ab nun herrscht Korruption. Viel Polizei und Militärkontrollen durch Russland, wobei man sich meistens mit ein paar deutschen Zigaretten freikaufen konnte.

EQUIPMENT FÜR DIE TAJIK RALLYE:

Für alle Widrigkeiten gewappnet – die neue Outdoor-Tasche RIGEL. Robust, wetterfest und geräumig.

  • 60 L Fassungsvermögen
  • Wetterfest und widerstandsfähig
  • YKK-Markenzipper
  • auch als Rucksack tragbar

Einen der besten Momente während der Tajik Rallye hatten wir am Grenzübergang nach Kasachstan. Das Passieren einer schwimmenden Pontonbrücke war recht abenteuerlich. Das Fahrzeug vor uns erzeugte eine große Wasser Fontaine. Das Wasser spritzte einige Meter hoch in die Luft. Hier riss uns der erste Auspuff, ab und wir brauchten das erste Mal Hilfe von außen. Wir fanden einen hilfsbereiten Anwohner, der den Auspuff schweißen konnte, bezahlt haben wir auch ihn mit einer Schachtel deutscher Zigaretten.

Ab sofort, wurden die Straßen zu Buckelpisten und Sandwegen, die uns fast bis zum Ende begleiteten. Für die 280 km von Astrachan (RUS) nach Atyrau (Kasachstan) benötigten wir fast 2 Tage. Dann ging es weiter durch Wüsten, vorbei an Wildpferden und Kamelen, direkt in Richtung Usbekistan. Der Grenzübergang hier dauerte 5 Stunden. Aber nicht wegen strenger Kontrollen, sondern wegen den Papieren für unsere Fahrzeuge. Ohne Übersetzer jedes Mal ein Abenteuer für sich.

Usbekistan ist deutlich ärmer als die vorherigen Länder. Wir beginnen Kuscheltiere an Kinder zu verschenken und fahren in Richtung Moʻynoq. Bekannt ist diese Gegend vor allem für ihre rostigen Schiffe mitten im Sand. Denn hier war 1960 noch ein richtiger Hafen am bekannten Aralsee. Seinerzeit der viertgrößte See der Welt, steht er nun durch fehlerhafte Planwirtschaft kurz vor der Austrocknung.

Die Benzinknappheit im Usbekistan äußert sich in der geringen Benzin-Qualität. Wir bekommen nur Benzin mit 80 Oktan. Mal schauen ob unsere Kias den vertragen… Hatten sie, aber der Leistungsverlust war deutlich zu spüren.

Weiter geht’s es über Buxoro (Burchara) nach Samarkant um uns den Registan anzusehen. Der Registan ist einer der prächtigsten Plätze Mittelasiens. Er ist das Herz des antiken Samarkands und ein einzigartiges Beispiel von Kunst, Städtebau und Architektur. In Osh überschreiten wir die Grenze nach Kirgistan. Unglaublich beindruckend war hier das Tor zum Pamir, ein riesiges Eingangstor zu einem Basar, hinter dem sich die beeindruckenden Gipfel des Pamir Gebirges abzeichneten, welche bereits zum Himalaja Gebirge gehören.

Registan - das Herz des antiken Samarkands

Mitten im Pamir Gebirge, auf 4200 Metern Höhe, gabeln wir noch eine Französin auf, die es in dieser Nacht nicht mehr über den Berg geschafft hat. Wir nehmen sie im Dunkeln über die Grenze nach Tadschikistan mit und übernachten in einem Gästehaus, welches hier „Home Stay“ genannt wird.

Guest House = Homestay

Am nächsten Tag ging‘s weiter, vorbei am Karakul See. Hier hatten wir gröbere Schwierigkeiten mit der Höhenluft. Kopfschmerzen und Atemnot begleiten uns schon beim Gehen um das Auto. Und dann hatten wir noch eine Reifenpanne sowie Probleme mit den Stoßdämpfern, die immer wieder eine Reparatur benötigen.

Dann trafen wir auf den höchste Punkt auf unserer Tajik Rallye, den Ak-Baital Ashuu Pass (4655 Meter Seehöhe). Hier stoppen wir lediglich für ein paar Fotos, denn das Atmen fällt schon recht schwer. Der Ausblick auf die schneebedeckten 6000er ist aber dennoch atemberaubend.

Am Khargush Pass biegen wir in Richtung Süden ab, und fahren in den Wakhan Korridor. Vorbei an zahlreichen Militärposten, wo wir immer wieder Pässe und Visa vorzeigen müssen. Tagelang sehen wir keine Menschenseele (außer Radfahrer aus aller Welt). Wir fahren uns im leichten Sand fest und das Auto droht ins Gebirge abzurutschen. Mit Müh und Not konnten wir das Auto retten. Die 4 Reservereifen sind jetzt aber aufgebraucht und so hat man am Grenzfluss zu Afghanistan doch immer wieder ein mulmiges Gefühl. Die Felgen lassen wir uns einige Tage später in Ischkaschim, einem Dorf mit 20 Hütten ohne Straßen, mit dem Vorschlaghammer reparieren. Eine dieser Felgen verlieren wir dann durch die „Steinbruchstraßen“ und er schwimmt nach Afghanistan hinüber.

Durchschnittsgeschwindigkeiten von 15 km/h Stunde werden normal. Das wir immer wieder auf andere Teams treffen macht sie Sache aber angenehmer und so campt man oft gemeinsam im „Niemandsland“, in der Wüste, in zerfallenen Arbeiterhütten oder an Baumwollfeldern.

Trete unserer Community #AktiverLeben bei und folge uns auf Facebook und Instagram!

In Kulob, 220 km vom Ziel Duschanbe entfernt, brechen uns am Rallye Auto beide Stoßdämpfer, die wir im nächsten Dorf schweißen lassen können. Wir bezahlen diesmal mit einer Kühlbox.

Das Ende ist nun zum Greifen nach. Ein paar Tage hinter unserem Zeitplan zurück, bringen wir die Fahrzeuge nach Duschanbe, der Hauptstadt Tadschikistans. Halbwegs fahrbereit, können wir sie an die Caritas übergeben.

Der gesamte Spendenstand der Tajik Rallye wurde von 16 Teams in 18 Fahrzeugen auf 29.600 Euro gebracht. Hinzu kommen noch die versteigerten Fahrzeuge. Angekommen sind am Ende alle, nur haben einige Teams durch technische Mängel nicht den Umweg über den Pamir nehmen können und haben somit den schönsten Teil der über 10.000 km nicht gesehen.

Was uns bewegte: Die Ärmsten, die wir auf unserem Trip getroffen haben, bemühten sich am Meisten um uns. Tee und Übernachtungen wurden überall angeboten. Keiner lässt den anderen mit einem Problem alleine, und schon bei Foto-Stops wurden wir permanent gefragt, ob wir Probleme hätten. Doch die freudigen Gesichter der Kinder, die Spielzeug von uns bekamen waren die Highlights.

Negative Spuren hatten nur die Korruption und die Straßenzustände hinterlassen. Ob wir das nochmal machen?! Auf jeden Fall – die nächste Rallye ist bereits in Planung. Wir freuen uns auf die Baltic Sea Circle Rallye.

HIER SCHREIBT:      André

Er hatte vom Ralleyfahren keine Ahnung – hat es aber nicht bereut das Abenteuer Tajik Ralley mit seinen Freunden in Angriff genommen zu haben.

10.800 mm – 11 Länder – 27 Tage

André