Sebastian macht die Tour seines Lebens – von New York nach San Francisco. Seit April fährt er bei Wind und Wetter mit dem Fahrrad durch die USA. Gestartet ist er in der Weltstadt New York. Seit unserem letzten Update hat er rund 3.000 Kilometer zurückgelegt und befindet sich nun in St. Louis. Schritt für Schritt oder besser Tritt für Tritt kommt er seinem Ziel – San Francisco – näher. Wie es ihm auf seiner zweiten Etappe von Buffalo nach St. Louis ergangen ist, könnt ihr hier lesen:

„Es ist viel Zeit vergangen, seit ich mich das letzte Mal gemeldet habe. Bei meinem letzten Bericht stand ich noch kurz davor die Rainbow Bridge nach Kanada zu überqueren. Ganze 2.000 weitere Kilometer habe ich seither auf meiner Reise mit dem Fahrrad durch die USA zurückgelegt. Seit gestern kann ich voller Stolz behaupten eine weitere bedeutende Brücke auf meinem Weg zur Westküste der USA überquert zu haben: Die Brücke über den Mississippi und auch mein kleiner Fahrradcomputer, der jeden Kilometer mitzählt, hat am selben Tag die Marke von 3.000 Kilometern geknackt.

Sebastian radelt dem Frühling entgegen

Bevor wir weiter über Meilensteine reden, fangen wir doch lieber beim Small Talk an: Reden wir über das Wetter. Das Wetter war das prägendste Element der vergangenen Wochen. In Kanada angekommen machte sich langsam aber sicher der Frühling breit. Die warme Frühlingssonne tat meiner Laune sehr gut und hat mich nach ein paar entspannten Tagen in Toronto dazu motiviert, ein paar längere Tagesetappen einzuplanen und zudem endlich von meinem Zelt Gebrauch zu machen. Dabei musste ich leider feststellen, dass es in den Nächten noch deutlich kälter war, als ich erwartet hatte. Von Nacht zu Nacht wurden die Temperaturen lauer und angenehmer. 

Erster Halt: Detroit

Die einstige glorreiche Metropole der Autoindustrie, die heute gegen den Zerfall kämpft. Trotz des schlechten Rufs und dem etwas verregneten Wetter hatte ich eine hervorragende Zeit in der Motor City. Mein Couchsurfing-Gastgeber erwies sich als äußerst großzügig und lud mich zu einem Baseballspiel der Detroit Tigers, sowie zu einer Oper über einen Baseballspieler ein.

Zweiter Halt: Chicago

Von Detroit fasste ich schließlich die nächste größere Stadt ins Auge: Chicago. In den nächsten Tagen lagen weite Strecken vor mir Die letzte Tagesetappe vor Chicago war bisweilen die längste meiner Reise. Knapp 190 Kilometer hatte ich zu bewältigen, bevor ich in der für ihre wunderbare Architektur bekannten Stadt ankam. Ich startete zeitig, um den Tag gut nützen zu können. Das Wetter schien perfekt zu sein. Als ich früh morgens in die Pedale trat, genoss ich es nur in T-Shirt und kurzer Hose zu sein. Meine größte Sorge zu diesem Zeitpunkt war, dass es unter Umständen zu heiß werden könnte.

Es kam anders. Langsam bahnte ich mir den Weg um den Lake Michigan. Am frühen Nachmittag hatte es kurz geregnet, trotzdem war es immer noch angenehm warm. Plötzlich wendete sich das Wetter. Sobald die Skyline Chicagos in Sichtweite war, schienen die Temperaturen rapide zu fallen. So schnell, dass ich mich kurz darauf gezwungen fühlte neben meiner Jacke auch meine Mütze anzuziehen. Nur noch meine kurze Hose erinnerte mich an das warme Wetter. Auch die Wolkenkratzer wurden immer schlechter erkennbar je näher ich ihnen kam. Sie verschwanden zunehmend hinter dichtem Nebel, der sich auch in den kommenden Tagen nur selten lichtete. Doch wenn er es tat, gab er eine wunderschöne Skyline frei.

Aufbruch in den mittleren Westen

Chicago wurde dem Ruf, eine kalte und windige Stadt zu sein, voll und ganz gerecht. Um mich ein wenig zu erholen, verlängerte ich meinen Aufenthalt um einen Tag. Doch die Zeit hält nicht an und so machte ich mich wieder auf den Weg. Aufbruch in den Mittleren Westen. Illinois ist ein flacher Staat, viele Felder, wenig Schatten. Scheinbar hatte ich mit Chicago auch das kalte Wetter hinter mir gelassen. Von nun an war es warm, dauerhaft über 30°C. Warmes Wetter heißt jedoch nicht gleich gutes Wetter. Gewitter lagen in der Luft.

Camping bei Wind und Wetter

Auf halber Strecke zwischen Springfield, der Hauptstadt von Illinois und früheren Wirkungsstätte Lincolns (daran wurde man an jeder Ecke mit einer Statue erinnert), und St. Louis wollte ich campen. An diesem Tag schien das Glück auf meiner Seite zu sein. Am Horizont tobte ein Gewitter, aber ich war mir sicher es würde sich Richtung Norden bewegen und mir somit fern bleiben. Neben einer alten Tankstelle, von der nur noch das Dach vorhanden war, hatte ich mir bereits meinen heutigen Schlafplatz eingerichtet und war völlig entspannt, als plötzlich die ersten Tropfen zu spüren waren.

Offensichtlich hatte ich mich in meiner Wettervorhersage getäuscht, denn das Unwetter war auf dem Weg zu mir. Schnell suchte ich Schutz unter dem Dach der Tankstelle. Binnen weniger Minuten wurde aus Sonnenschein ein sinnflutartiger Regenfall. Weder Dach noch Regenjacke konnten mich davor schützen, völlig nass zu werden. Der Wind warf mein Fahrrad um, ich ließ es liegen, es wäre ohnehin erneut umgefallen. Wind und Regen waren lästig, die Blitze hingegen bereiteten mir wirklich Sorgen. Alle paar Sekunden leuchtete der Himmel auf, gefolgt von ohrenbetäubendem Donnergrollen. Wenn der Blitz irgendwo einschlägt, dann hier, dachte ich mir. Um mich herum waren nur Felder zu sehen, die nächsten Häuser waren kilometerweit entfernt, aber mir blieb nichts anderes übrig als zu waren.

Auf Regen folgt meist Sonnenschein

Nach circa einer halben Stunde war das Schauspiel dann wieder vorbei. Das Unwetter verschwand so schnell wie es gekommen war. Die Sonne strahlte vom Himmel, als wäre sie nie weg gewesen. Nur ein Regenbogen blieb am Himmel zurück. Für mich ein ganz besonderer. Es war ein doppelter Regenbogen, durchgängig. Ein durchgängiger, doppelter Regenboden. So etwas hatte ich bisher noch nie gesehen. Weil das Wetter wieder so schön und die Umgebung so ruhig und friedlich war, entschied ich mich auf mein Zelt zu verzichten und im Freien zu übernachten. Und das alles nur wenige Minuten nach dem heftigsten Gewitter, das ich seit langem erlebt hatte.

Weiter gehts!

Die Nacht war entspannt. Ich konnte die Sterne beobachten, während in der Ferne noch ab und zu ein Blitz zu sehen war. Glühwürmchen umkreisten mich und am nächsten Morgen machte ich mich, nachdem ich die Erdbeeren verspeist hatte, die mir ein Fremder zum Frühstück geschenkt hatte, , voller Vorfreude auf den Weg. Auf den Weg über den Mississippi und nach St. Louis, dem Gateway to the West. Und das bei gutem Wetter!“

Pro Tipp:

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Starke Leistung lieber Sebastian! Wir freuen uns, weiterhin von dir zu lesen und schicken dir ganz viel Energie und Kraft für die kommenden Etappen auf deiner Reise mit dem Fahrrad durch die USA!

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HIER SCHREIBT: Sebastian Hahn

Wie alt bin ich? 22 Jahre

Woher komme ich? Karlsruhe

Was mache ich beruflich? Ich beginne im Herbst mein Masterstudium in Architektur

Bin ich Sportler? Nein, ich suche lediglich nach einer Herausforderung.

Bin ich Fotograf? Nein, aber ich weiß mit den mit zu Verfügung stehenden Werkzeugen zu arbeiten.

sebastian