Ein Backpack-Trip durch Schweden

Nach einigen terminlichen Schwierigkeiten, der Buchung eines Interrail Passes und mit einem voll bepackten Rucksack war ich bestens vorbereitet. Meinen Rucksack hatte ich liebevoll Alfons getauft und er sollte mich auf meinen Wegen begleiten. So konnte ich nun endlich im Mai mein erstes kleines Abenteuer starten – fünf Wochen Skandinavien. Und vorweg sei verraten, dass es nicht bei dieser einen Reise bleiben wird.

So startete ich mit dem Zug von Köln über Hamburg und Kopenhagen nach Schweden.

Noch bevor ich mein erstes Ziel erreicht hatte, machte ich in Kopenhagen am Bahnhof meine erste tolle Begegnung, als ich dort auf dem Bahngleis stand und mich ein bereits etwas älterer Mann auf die Schulter tippte. Er sprach mich auf meinen Rucksack an und erzählte, dass er in jungen Jahren selbst durch Europa gereist war. Mein Anblick hatte ihn wohl daran erinnert und ihn lächeln lassen. Ich bin dankbar, dass er diese Gedanken mit mir geteilt hat.

Meine erste Station war der beschauliche Ort Vissefjärda im Süden des Landes. Der Ort an sich hatte abgesehen von einem Café mit hausgemachten Pralinen und Zimtschnecken nicht viel zu bieten – die Natur drum herum jedoch umso mehr.

Ich lebte in dem Ort bei einer Familie, die Landwirtschaft nach Prinzipien der Permakultur betreibt. Ich hatte sie über die Plattform workaway.info entdeckt, wo Reisende Angebote finden, die bspw. für Work and Travel, aber auch für kulturellen Austausch, interessant sind. Der Familie half ich also bei der Garten- und Feldarbeit und durfte im Gegenzug dafür bei ihnen wohnen und an den gemeinsamen Mahlzeiten teilnehmen. Für mich war das eine perfekte Gelegenheit, da ich dadurch die Möglichkeit erhielt, an Orte zu kommen, die ich wohl in keinem Reiseführer gefunden hätte. So sah ich ein authentisches Stück Schwedens mit zahlreichen Seen und Wäldern, ich konnte in den Felsen klettern und auf einem Fluss Kanu fahren. Die weite Natur Schwedens ist unglaublich schön. Zudem lernte ich einiges über ökologisches Landwirtschaften und generell über das Leben, was Erfahrungen sind, die mir kein gewöhnlicher Urlaub hätte bieten können.

Nach zwei Wochen im Süden ging meine Reise weiter nach Stockholm. Die Zugfahrt dorthin war allein schon ein kleines Highlight, da sie direkt an zahlreichen Seen vorbeiführt. In der Hauptstadt wohnte ich gemeinsam mit fünf bis dato unbekannten anderen Mädels in einem Zimmer im Hostel. Die Stadt teilt sich in mehrere Inseln auf, die alle mit Brücken verbunden sind. Besonders schön ist die Altstadt Gamla Stan mit dem königlichen Palast, dem Dom und dem Parlament. 

Als nächstes ging es nach Oslo, wo es mir als angehende Architekturstudentin die Oper ganz besonders angetan hat. Das Gebäude ist so konstruiert, dass  man jederzeit außen rum auf das Dach gehen kann. Dort oben habe ich auch ein Foto mit Alfons aufgenommen. Abseits der Oper hat Oslo einiges zu bieten und ist in Bezug auf die vielen (deutschen) Touristen, die zuvor in Stockholm anzutreffen waren, deutlich entspannter. 

Bereits auf der Zugfahrt von Stockholm nach Oslo bemerkte ich, dass sich die Landschaft wandelte. Dieser Wandel war auf der Fahrt von Oslo nach Bergen noch stärker zu spüren. Die dort fahrende Bergenbahn gilt als eine der schönsten Zugstrecken überhaupt und ich kann dies durchaus bestätigen. Zwischenzeitlich auf 1200m Höhe fährt man mitten durch die Gebirgszüge, sieht Fjorde, Wälder und nur die Fensterscheibe des Zugs trennt einen von schneebedeckten Gipfeln. Auch wenn man meint, man würde durch unberührte Natur fahren, hielt der Zug auch dort an zahlreichen winzigen Bahnhöfen, wo man am wenigsten mit Zivilisation rechnet. 

In Bergen wurde ich mit dem dort typischen Wetter empfangen; Regen. Bergen ist die regenreichste Stadt Europas und machte diesem Ruf natürlich gleich einmal alle Ehre. Am nächsten Tag jedoch hatte ich Glück und nutzte den blauen Himmel samt Sonnenschein zu einer Bootstour durch die angrenzenden Fjorde.

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Da ich nicht genug von dem schönen Anblick bekommen konnte, nahm ich gleich als nächstes den Berg Fløyen in Angriff. Dies ist einer der sieben Berge, die die Stadt Bergen umgeben. Eine Standseilbahn führt hinauf und bietet einem auf großzügigen Treppenstufen einen weiten Ausblick über die Stadt, den Hafen und das Wasser. Zu empfehlen ist es jedoch, es nicht bei der Aussichtsplattform zu belassen, sondern einen der vielen Wanderwege zu wählen und den Berg noch weiter nach oben zu steigen. Dort sind bereits deutlich weniger Touristen unterwegs und viele Einheimische nutzen die Wege zum Joggen oder spazieren gehen. Etwas abseits der Wege entdeckte ich so hinter ein paar Felsen eine Lichtung von der aus der Blick noch wesentlich weiter und schöner war – der Aufstieg hatte sich also vollkommen gelohnt. 

Anschließend ging es für mich weiter in einen kleineren Ort an einem norwegischen Fjord und in eine Kleinstadt an den größten See Schwedens. In den beiden Orten gab es jeweils nicht viel zu sehen, aber die Natur überzeugte dafür umso mehr. Ich nutzte die Zeit für lange Touren durch die Wälder und fürs Baden. Auch wenn der See an einem der ersten sommerlichen Tage mit einer Außentemperatur von 25 Grad noch immer recht frisch war, konnte ich mir ein kurzes Bad nicht nehmen lassen.

Mein letzter Halt war schließlich Malmö. Die drittgrößte Stadt Schwedens liegt direkt am Meer und ist durch die Öresundbrücke mit dem dänischen Festland und somit direkt mit Kopenhagen verbunden. Ich erkundete beide Städte und kann beiden etwas abgewinnen. Die direkte Lage am Wasser schafft eine tolle Atmosphäre und Ziele wie den Nyhavn in Kopenhagen oder den Turning Torso in Malmö sollte man gesehen haben.

In allen Städten, die ich besucht habe, nahm ich an sogenannten Free Walking Tours teil. Das sind Stadtrundgänge von meist 1,5 bis zwei Stunden, welche kostenlos für alle Interessierten angeboten werden und bei Gefallen mit einem Trinkgeld entlohnt werden können. Das ist eine gute Möglichkeit, um einen Überblick über die Stadt und wertvolle Insider Tipps zu bekommen. Außerdem trifft man dort auf Leute aus aller Welt, kommt ins Gespräch und tauscht sich aus.

Gleiches gilt für meine Wahl der Unterkünfte. Ich habe, bis auf in den zwei kleineren Orten, immer in Hostels übernachtet, wo man auf weitere Alleinreisende trifft, gemeinsam kocht und sich über Gott und Welt austauschen kann. Und nicht selten bemerkt man, wie klein die Welt doch ist, wenn man reist und an entlegenen Orten auf bekannte Gesichter trifft. Man ist nirgendwo sicher, davon könnt ihr ausgehen 😉

Von Malmö setzte ich in einer neunstündigen Fahrt mit der Fähre nach Travemünde und somit auf deutsches Festland über. Die langen Zugfahrten und besonders die Überfahrt mit der Fähre ließen mich die weiten Distanzen spüren, die ich während meiner Reise überwand. In den Wochen hatte ich immerhin knapp 60 Stunden im Zug oder auf dem Boot verbracht und dadurch gut 6100 Kilometer zurückgelegt.  In den Städten selbst war ich fast ausschließlich zu Fuß unterwegs und legte auch hier insgesamt rund 270km zurück. Aber gerade diese Zeit war lohnenswert und machte einen wesentlichen Teil meiner Reise aus. Es ging mir nicht darum, in möglichst kurzer Zeit mit dem Flugzeug von A nach B zu kommen. Viel mehr wollte ich mir Zeit nehmen, um auch den Weg zu erfahren. 

So kehrte ich nach fünf intensiven Wochen mit müden Beinen und einem schweren Rucksack nach Hause zurück. Was aber viel schwerer wiegt als der Backpack, sind die zahlreichen Erfahrungen, die ich sammeln durfte. Ich bin auf Menschen unterschiedlicher Herkunft getroffen, habe jede Menge Inspiration erhalten, habe gelernt, wie man Kartoffeln pflanzt, einen griechischen Tanz tanzt, vegane Gemüsebratlinge zubereitet und so vieles mehr. Ich habe gelernt, die Dinge einfach kommen zu lassen, mit Planänderungen gelassen umzugehen und dass im Endeffekt sogar auf die (deutsche) Bahn Verlass ist. Aber egal welche Erfahrungen man auch macht, egal ob positiv oder negativ, alle sind letztendlich wertvoll, denn sie machen uns zu dem Menschen, der wir sind. 

Wie zu Beginn verraten, hat mich das Reisefieber gepackt und die Überlegungen für das nächste Abenteuer laufen bereits auf Hochtouren. 

Es bleibt mir nicht mehr viel zu sagen – die Welt ist schön! Also geht raus und schaut sie Euch an. 

HIER SCHREIBT: Leonie Willems

Leonie Willems ist eine NORDKAMM-Kundin, die ihren tollen Trip mit uns geteilt hat.